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Ejakulation und Orgasmus

26. Januar 2008 Kommentieren Kommentare lesen

Nach Masters und Johnson (1966) ist der männliche Orgasmus gleichzusetzen mit den zwei Phasen der Ejakulation. Während der Emissionsphase werden Sperma und Samenflüssigkeit in den pars prostatica („Prostataabschnitt“) der Harnröhre ausgestoßen. In der darauf folgenden Ejakulationsphase wird dann das Ejakulat durch koordinierte Kontraktionen des pars prostatica der Harnröhre und der Bekenbodenmuskulatur ausgeworfen. Für beide Phasen scheint es dabei getrennte neurophysiologische Kontrollmechanismen zu geben. Außerdem legen verschiedene klinische Befunde nicht nur eine Unterscheidung zwischen Emission und Ejakulation nahe, sondern auch zwischen Ejakulation und Orgasmus. Die gebräuchliche Verwendung von „Ejakulation“ als Überbegriff für Emission, Ejakulation und Orgasmus spiegelt daher eine sehr reduzierte Sichtweise des männlichen Orgasmus wider.

Orgasmus ist nicht gleich Orgasmus

Darüber hinaus scheinen auch nicht alle Orgasmen gleich zu sein. Ähnlich wie bei Frauen, wo zwischen klitoralem und vaginalem Orgasmus unterschieden wird, existieren offenbar auch beim Mann verschiedene Arten des Orgasmus, die unabhängig vom jeweiligen Empfinden der Ejakulation sind. So wird der Orgasmus beim Masturbieren häufig als intensiver und besser lokalisierbar beschrieben, während er beim Geschlechtsverkehr hingegen als lustvoller und befriedigender empfunden wird. Auch wird von „trockenen“ Orgasmen ohne Ejakulation berichtet, die ebenfalls als äußerst lustvoll wahrgenommen werden (Hite, 1981 und Kinsey et al., 1948). Umgekehrt fehlt bei Ejakulationen ohne Orgasmus, wie sie etwa durch gezielte Stimulation der Eichel herbeigeführt werden können, das Lustempfinden völlig.

Zeichnung von Rama. Dieses Bild ist lizenziert unter der CeCILL Lizenz.

Weiterhin können Männer durch rektale Stimulation der Prostata oder bei analer Penetration zum Orgasmus kommen. Dieser sog. „anale“ Orgasmus wird dabei völlig anders empfunden als ein durch Reizung des Penis hevorgerufener Orgasmus. Er wird generell als „tiefer“, umfassender, intensiver und länger andauernd beschrieben und häufig mit einem Gefühl der Ekstase verbunden (Hite, 1981). Diese Form der Stimulation kann dabei von heterosexuellen wie homosexuellen Männern gleichermaßen lustvoll empfunden werden.

Literatur:
K. Mah & Y.M. Binik: The nature of human orgasm: A critical review of major trends. Clin.Psychol.Rev. 21 (6), 823-856 (2001). doi:10.1016/S0272-7358(00)00069-6

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